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Schilddrüsenunterfunktion beim Hund: Symptome erkennen & richtig behandeln

27. Juni 2026 Tierärztin Dorothea Kornat 12 Min. Lesezeit
Schilddrüsenunterfunktion beim Hund Symptome Behandlung Tierarzt Paderborn

Foto: Freepik

Schilddrüsenunterfunktion: Häufig unterschätzt

Die Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) ist eine der häufigsten hormonellen Erkrankungen beim Hund – wird aber oft monatelang nicht erkannt. Müder Hund? Gewichtszunahme trotz normaler Fütterung? Stumpfes Fell? Das könnte die Schilddrüse sein – und die ist heute hervorragend behandelbar!

Verdacht auf Hypothyreose? Rufen Sie uns an: 05251/8786101

Ihr Hund wirkt seit Monaten antriebslos, hat zugenommen ohne mehr zu fressen und das Fell wird immer dünner? Viele Besitzer denken: „Er wird halt alt." Aber dahinter könnte eine behandelbare Erkrankung stecken: die Schilddrüsenunterfunktion. Als Tierärztin in Paderborn diagnostiziere ich diese Krankheit regelmäßig – und sehe oft beeindruckende Verwandlungen, wenn die Therapie greift.

In diesem Artikel erfahren Sie, was die Schilddrüse macht, warum sie unterfunktional werden kann, wie Sie die typischen Symptome erkennen und welche moderne Therapie es gibt.

Was macht die Schilddrüse beim Hund?

Die Schilddrüse ist eine kleine Drüse am Hals, die zwei wichtige Hormone produziert: T3 (Trijodthyronin) und T4 (Thyroxin). Diese Hormone steuern den gesamten Stoffwechsel des Körpers – sie sind sozusagen der „Gaspedal" für jede Körperzelle.

Wenn die Schilddrüse zu wenig Hormone produziert (Hypothyreose), läuft alles im Körper langsamer:

  • Der Stoffwechsel verlangsamt sich → Gewichtszunahme
  • Die Energie sinkt → Müdigkeit und Antriebslosigkeit
  • Haut und Fell leiden → Haarausfall, stumpfes Fell
  • Die Wärmeregulation ist gestört → Hund friert schneller
  • Das Immunsystem schwächelt → Infektionen häufiger

Hypothyreose vs. Hyperthyreose – wichtig zu wissen!

  • Hypothyreose (Unterfunktion): Häufig beim HUND – zu wenig Schilddrüsenhormone, alles wird langsamer
  • Hyperthyreose (Überfunktion): Häufig bei der KATZE – zu viele Schilddrüsenhormone, alles läuft auf Hochtouren
  • Hunde haben praktisch nie Überfunktion – Katzen praktisch nie Unterfunktion. Genau umgekehrt!

Welche Hunde sind besonders gefährdet?

Bestimmte Faktoren erhöhen das Risiko deutlich:

  • Alter: Meist Hunde im mittleren bis höheren Alter (4-10 Jahre)
  • Rasse: Bestimmte Rassen erkranken häufiger:
    • Golden Retriever, Dobermann, Boxer
    • Cocker Spaniel, Irish Setter, Airedale Terrier
    • Dackel, Beagle, Schäferhund
  • Geschlecht: Hündinnen erkranken etwas häufiger – besonders kastrierte
  • Übergewicht: Kann Symptome verstärken und überlappen

Symptome: So erkennen Sie die Schilddrüsenunterfunktion

Die Symptome entwickeln sich meist schleichend über Monate. Viele Hundebesitzer halten sie für „normales Altern" – tatsächlich ist die Hypothyreose aber gut behandelbar.

Klassische Symptome der Hypothyreose:

  • Antriebslosigkeit & Müdigkeit: Hund schläft mehr, ist weniger spielfreudig, will nicht mehr lange Gassi
  • Gewichtszunahme: Trotz unveränderter Futtermenge – manchmal sogar bei weniger Fressen
  • Kälteempfindlichkeit: Hund friert leicht, sucht warme Plätze, zittert
  • Fellveränderungen:
    • Stumpfes, glanzloses Fell
    • Symmetrischer Haarausfall (vor allem an Flanken, Schwanz – „Rattenschwanz")
    • Schlechte Fell-Erneuerung nach Schur
  • Hautveränderungen:
    • Trockene, schuppige Haut
    • Dunkle Pigmentierung (Hyperpigmentierung)
    • Verdickte, „schwammige" Haut – besonders im Gesicht („Traurige Miene")
    • Wiederkehrende Hautinfektionen
  • Langsame Herzfrequenz (Bradykardie): Beim Tierarzt messbar
  • Verminderte Fortpflanzungsfähigkeit: Bei Hündinnen unregelmäßige Läufigkeit, Unfruchtbarkeit
  • Veränderungen im Verhalten: Mancher Hund wirkt depressiv oder verwirrt
  • Schlechte Wundheilung
  • Neurologische Symptome: Selten, aber möglich: Gleichgewichtsstörungen, Schwäche

„Traurige Miene" als wichtiges Zeichen

Bei vielen Hypothyreose-Hunden verändert sich der Gesichtsausdruck: Die Haut um die Augen und am Maul verdickt sich, der Blick wirkt „traurig" oder „mürrisch". Wenn Ihr Hund plötzlich anders aussieht als früher – auch wenn Sie es kaum benennen können – ist das ein ernstzunehmendes Zeichen.

Ursachen: Warum entsteht eine Hypothyreose?

In der überwiegenden Mehrheit der Fälle hat die Hypothyreose folgende Ursachen:

  • Autoimmune Zerstörung (lymphozytäre Thyreoiditis): Das Immunsystem greift fälschlicherweise die Schilddrüse an – häufigste Ursache (ca. 50 %)
  • Schilddrüsenatrophie: Die Drüse schrumpft mit der Zeit – ca. 30-40 % der Fälle
  • Tumoren der Schilddrüse: Selten
  • Iodmangel: Sehr selten in Deutschland (Hundefutter enthält ausreichend Iod)
  • Sekundäre Hypothyreose: Probleme der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse), die normalerweise die Schilddrüse steuert

Diagnose: Wie wird Hypothyreose festgestellt?

Die Diagnose erfordert mehrere Schritte – ein einzelner Bluttest reicht nicht immer:

1. Klinische Untersuchung & Anamnese

Wir besprechen die Symptome ausführlich und untersuchen Ihren Hund. Schon hier kann der Verdacht klar werden.

2. Allgemeines Blutbild + Organwerte

Typische Hinweise auf Hypothyreose:

  • Erhöhte Cholesterinwerte (sehr typisch!)
  • Milde Anämie
  • Erhöhte Leberwerte

3. Schilddrüsen-spezifische Blutwerte

  • Gesamt-T4 (TT4): Erster Screening-Wert
  • Freies T4 (fT4): Genauer, weniger störanfällig
  • TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon): Bei Hypothyreose meist erhöht
  • TgAA (Thyreoglobulin-Antikörper): Bei Verdacht auf autoimmune Form

Vorsicht bei „Euthyroid Sick Syndrome"

Manchmal können andere Krankheiten oder Medikamente die Schilddrüsenwerte fälschen – die Schilddrüse selbst ist dann gesund. Deshalb beurteilen wir Werte immer im Kontext mit Symptomen und anderen Befunden. Niemals nur aufgrund eines auffälligen T4-Werts behandeln, ohne klares Krankheitsbild!

Behandlung: So einfach und effektiv ist die Therapie

Die gute Nachricht: Hypothyreose ist eine der dankbarsten Erkrankungen in der Tiermedizin. Die fehlenden Hormone werden einfach in Tablettenform ersetzt – meist mit beeindruckenden Ergebnissen!

L-Thyroxin – die Standardtherapie

L-Thyroxin (Levothyroxin) ist ein synthetisches Schilddrüsenhormon, das genauso wirkt wie das körpereigene. Die Anwendung:

  • 1-2x täglich als Tablette
  • Idealerweise mit Futter
  • Lebenslange Therapie (kann nicht abgesetzt werden)
  • Dosis wird individuell auf Ihren Hund eingestellt

So schnell wirkt die Therapie:

  • Nach 1-2 Wochen: Erste Energie-Verbesserungen sichtbar
  • Nach 4-6 Wochen: Gewicht beginnt sich zu normalisieren, Aktivität steigt
  • Nach 2-4 Monaten: Fell wächst wieder, Haut bessert sich
  • Nach 6 Monaten: Der Hund ist meist wieder „der Alte"

Wichtig: Engmaschige Kontrollen am Anfang

In den ersten Monaten sind regelmäßige Bluttests wichtig, um die richtige Dosis zu finden:

  • Nach 4-8 Wochen: Erste Kontrolle
  • Dann alle 3-6 Monate, später jährlich
  • Bei den Tests 4-6 Stunden NACH der Tabletteneinnahme Blut abnehmen!

Die Kosten für L-Thyroxin sind überschaubar – das Medikament ist günstig und auch in der Apotheke erhältlich. Die Kontrolluntersuchungen richten sich nach der GOT (Gebührenordnung für Tierärzte).

Therapie niemals selbst absetzen oder reduzieren!

Wenn der Hund sich „besser fühlt" und Sie die Therapie eigenmächtig stoppen, kommen alle Symptome zurück. Auch bei Operationen oder anderen Erkrankungen: Die Schilddrüsen-Tabletten weiterhin geben – die Therapie ist lebenslang. Bei Unsicherheit sofort uns fragen.

Wie geht es einem behandelten Hund?

Mit der richtigen Therapie können Hypothyreose-Hunde ein vollkommen normales Leben führen – mit normaler Lebenserwartung, normaler Energie, normalem Gewicht und normalem Fell. Viele Besitzer berichten von einem „neuen Hund", den sie kaum wiedererkennen.

Typische Verwandlungen nach 3-6 Monaten Therapie:

  • Aus „lahmer alter Hund" wird wieder ein aktives Tier
  • Gewicht normalisiert sich
  • Fell wächst nach, glänzt wieder
  • Hund spielt, läuft und genießt das Leben
  • Lebensfreude kommt zurück – sichtbar im Gesicht und Verhalten

Häufige Fragen zur Schilddrüsenunterfunktion beim Hund

Ist eine Schilddrüsenunterfunktion heilbar?

Nein, die Hypothyreose ist nicht heilbar – die geschädigte Schilddrüse erholt sich nicht. Aber: Sie ist sehr gut behandelbar. Die fehlenden Hormone werden lebenslang als Tablette zugeführt (L-Thyroxin), und der Hund kann ein völlig normales Leben führen. Die Therapie ist günstig und gut verträglich.

Wie viel kostet die Diagnose und Behandlung?

Die Kosten richten sich nach der GOT (Gebührenordnung für Tierärzte). Die Diagnose umfasst Blutuntersuchungen und spezielle Schilddrüsentests – das ist überschaubar. Die laufende Therapie mit L-Thyroxin ist eines der günstigsten Medikamente in der Tiermedizin überhaupt. Die regelmäßigen Kontrollen kommen dazu, sind aber gut planbar. Insgesamt eine sehr kostengünstige chronische Therapie.

Was passiert bei Überdosierung von L-Thyroxin?

Eine Überdosierung führt zu Symptomen wie bei einer Schilddrüsenüberfunktion: Unruhe, vermehrtes Trinken, häufiges Urinieren, Gewichtsverlust trotz Heißhunger, schneller Herzschlag, Hecheln. Falls Sie diese Symptome bemerken, kommen Sie zu uns – die Dosis muss dann angepasst werden. Eine Überdosierung ist meist nicht akut gefährlich, sollte aber zeitnah korrigiert werden. Die regelmäßigen Bluttests am Anfang sind genau dafür gedacht!

Kann mein Hund die Tablette einfach mit dem Futter bekommen?

Idealerweise ja – aber konstant: Entweder immer mit Futter ODER immer ohne. Ein Wechsel kann die Aufnahme schwanken lassen, was die Werte verfälscht. Praktisch hat sich bewährt: morgens vor dem Frühstück geben, dann kommt das Futter kurz danach. Manche Besitzer verstecken die Tablette in einem kleinen Stück Wurst oder Käse – meist akzeptieren Hunde das gut.

Mein Hund hat zugenommen – ist das definitiv die Schilddrüse?

Nicht automatisch. Gewichtszunahme hat viele Ursachen: zu viel Futter, zu wenig Bewegung, hormonelle Veränderungen (Kastration!), andere Erkrankungen (Cushing, Diabetes). Die Schilddrüse ist EINE mögliche Ursache. Wenn die Zunahme aber zusammen mit Mattigkeit, Fellverlust und Kälteempfindlichkeit auftritt, ist Hypothyreose sehr wahrscheinlich – dann unbedingt testen lassen!

Wie oft muss mein Hund nach Therapiebeginn zur Kontrolle?

Nach Therapiebeginn folgen typischerweise: 4-8 Wochen später erste Kontrolle (Blutwerte + klinische Beurteilung). Dann nach 3-6 Monaten eine zweite Kontrolle. Wenn die Werte stabil sind: jährliche Kontrollen reichen meist aus. Bei jeder Untersuchung achten wir auch auf Begleiterkrankungen, die mit zunehmendem Alter auftreten können.

Kann eine Schilddrüsenunterfunktion zu anderen Krankheiten führen?

Ja, ein langfristig unbehandelter Hypothyreose-Hund hat erhöhtes Risiko für: Hautinfektionen (durch geschwächtes Immunsystem), Herzrhythmusstörungen, Bewegungsstörungen, Übergewicht-Folgeerkrankungen (Arthrose), neurologische Probleme. Deshalb ist eine konsequente Therapie so wichtig – nicht nur für mehr Lebensqualität, sondern auch für mehr Lebenszeit.

Mein Hund ist ein Welpe und schläft viel – könnte das schon Schilddrüse sein?

Bei Welpen ist Hypothyreose sehr selten (außer in seltenen erblichen Formen). Welpen schlafen viel und brauchen viel Erholung – das ist normal! Die typische Hypothyreose entwickelt sich meist erst ab dem mittleren Lebensalter (4-10 Jahre). Wenn ein Welpe jedoch zusätzlich Wachstumsstörungen, Fellprobleme oder andere Auffälligkeiten zeigt, ist eine Untersuchung sinnvoll.

Verdacht auf Schilddrüsenunterfunktion?

Wenn Ihr Hund antriebslos wirkt, zunimmt oder Fellprobleme hat – warten Sie nicht ab. Ein einfacher Bluttest gibt schnell Klarheit. Und mit der richtigen Therapie wird Ihr Hund wieder zum „alten Selbst" – das ist die schönste Seite unserer Arbeit!

Termin vereinbaren oder anrufen!

Kleintierpraxis Paderborn:
05251/8786101
klinik.dk@gmx.de
Mo-Fr: 10-11:30 & 17-19 Uhr | Sa: 11-12 Uhr

Denken Sie daran: Was nach „normalem Älterwerden" aussieht, kann eine behandelbare Krankheit sein. Mit einer kleinen Tablette täglich schenken Sie Ihrem Hund oft viele Jahre voller Energie und Lebensfreude zurück!

Ihre Tierärztin Dorothea Kornat
Kleintierpraxis Paderborn