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Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) bei der Katze: Symptome erkennen & behandeln

11. Juli 2026 Tierärztin Dorothea Kornat 13 Min. Lesezeit
Schilddrüsenüberfunktion bei der Katze Hyperthyreose Symptome Behandlung Tierarzt Paderborn

Foto: Freepik

Hyperthyreose: Die häufigste Hormonerkrankung der Katze!

Rund 10-15 % aller Katzen über 10 Jahre entwickeln eine Schilddrüsenüberfunktion – Tendenz steigend. Das Tückische: Die Katze frisst viel mehr als sonst und wirkt hyperaktiv, verliert aber gleichzeitig Gewicht. Viele Besitzer freuen sich zunächst über den „gesteigerten Appetit" – dabei ist es eine ernste, aber gut behandelbare Erkrankung.

Ihre Katze frisst wie ein Weltmeister und wird trotzdem dünner? Rufen Sie uns an: 05251/8786101

Ihre ältere Katze frisst plötzlich für zwei, jault nach mehr Futter, wird aber trotzdem immer dünner und wirkt rastlos? Das sind die klassischen Warnsignale einer Schilddrüsenüberfunktion (medizinisch: Hyperthyreose oder Hyperthyreoidismus). Als Tierärztin in Paderborn diagnostiziere ich diese Krankheit fast wöchentlich – besonders bei Katzen ab 10 Jahren.

In diesem Artikel erfahren Sie alles Wichtige: Wie die Krankheit entsteht, welche Symptome typisch sind, wie wir die Diagnose stellen und welche verschiedenen Therapieoptionen es gibt – von der lebenslangen Tablette bis zur „Wunderheilung" mit Radiojod.

Was ist die Schilddrüsenüberfunktion?

Bei der Hyperthyreose produziert die Schilddrüse Ihrer Katze viel zu viel Schilddrüsenhormone (T3 und T4). Diese Hormone sind das „Gaspedal" des Körpers – sie steuern den gesamten Stoffwechsel. Wenn zu viele davon im Blut sind, läuft alles auf Hochtouren:

  • Der Grundumsatz steigt drastisch → Gewichtsverlust trotz Fressen
  • Herzfrequenz und Blutdruck erhöhen sich → Herzbelastung
  • Die Katze wird unruhig, „hyperaktiv"
  • Verdauung läuft schneller → Durchfall
  • Wärmeregulation gestört → Katze hechelt, sucht Kühle

Hyperthyreose vs. Hypothyreose – wichtig zu wissen!

  • Hyperthyreose (Überfunktion): Häufig bei der KATZE – zu viele Hormone, alles läuft schneller
  • Hypothyreose (Unterfunktion): Häufig beim HUND – zu wenige Hormone, alles wird langsamer
  • Genau umgekehrt bei den beiden Tierarten! Katzen haben praktisch nie Unterfunktion, Hunde praktisch nie Überfunktion.

Ursachen: Warum entsteht die Hyperthyreose?

In den allermeisten Fällen liegt ein gutartiger Tumor (Adenom) in der Schilddrüse vor – meist beidseitig. Nur in seltenen Fällen (1-2 %) ist es ein bösartiger Tumor (Karzinom).

Die genauen Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt, aber verschiedene Faktoren stehen im Verdacht:

  • Alter: Wichtigster Faktor – ab 8 Jahren steigt das Risiko deutlich, ab 10 Jahren stark
  • Ernährung: Bestimmte Konservendosen und Fertigfutter mit hohem Iod-Gehalt oder BPA-Beschichtungen im Verdacht
  • Umweltgifte: Flammschutzmittel aus Möbeln und Elektronik werden diskutiert
  • Katzen-Streu: Manche Streu-Typen als Risikofaktor untersucht
  • Genetische Veranlagung

Symptome: So erkennen Sie die Hyperthyreose

Die Symptome sind oft sehr charakteristisch – wenn man einmal weiß, worauf man achten muss:

Klassische Symptome der Hyperthyreose:

  • Gesteigerter Appetit (Polyphagie): Katze verlangt ständig nach Futter, jault, wirkt hungrig – oft frisst sie doppelt so viel wie früher
  • Gewichtsverlust: Trotz des großen Appetits wird die Katze dünner – oft dramatisch
  • Muskelabbau: Sichtbar an Wirbelsäule, Rippen und Rückenmuskulatur
  • Hyperaktivität, Unruhe: Katze ist rastlos, kann nicht mehr ruhig schlafen, läuft nervös umher
  • Verhaltensänderungen: Manche Katzen werden reizbar, aggressiv, jaulen viel (v.a. nachts)
  • Vermehrtes Trinken und Urinieren
  • Erbrechen: Oft direkt nach dem Fressen, weil zu hastig geschlungen
  • Durchfall oder weicher Kot: Durch beschleunigte Verdauung
  • Struppiges, ungepflegtes Fell: Katze putzt sich weniger oder Fell wirkt „elektrisch aufgeladen"
  • Hecheln, Kurzatmigkeit: Besonders bei Aufregung oder Wärme
  • Schneller Herzschlag: Der Tierarzt hört bei der Untersuchung eine erhöhte Herzfrequenz (oft > 220 Schläge/Min)
  • Fühlbarer „Knoten" am Hals: Bei manchen Katzen ist die vergrößerte Schilddrüse tastbar

Achtung: Oft mit „normalem Altern" verwechselt!

Viele Besitzer denken bei ihrer alten Katze: „Sie wird halt dünn und rastlos, das ist Alter." Aber: Dünnwerden trotz gutem Appetit ist NIE normales Altern! Das ist immer ein Alarmzeichen – meistens für Hyperthyreose, Diabetes oder eine chronische Krankheit. Bitte abklären lassen!

Diagnose: Wie wird die Hyperthyreose festgestellt?

Die Diagnose ist meist einfach – ein einziger Bluttest reicht in der Regel aus:

  • T4-Wert im Blut: Der Gesamt-T4-Wert ist der wichtigste Marker – bei Hyperthyreose deutlich erhöht
  • Freies T4 (fT4): Bei unklarem T4-Wert – noch genauer
  • Allgemeines Blutbild: Oft erhöhte Leberwerte (typisch!), auch als Screening für andere Erkrankungen
  • Urinuntersuchung: Prüft die Nieren, da Hyperthyreose und Niereninsuffizienz oft zusammen auftreten
  • Blutdruckmessung: Bluthochdruck ist häufige Komplikation
  • Herzuntersuchung: EKG oder Ultraschall bei Verdacht auf Herzerkrankung

Hyperthyreose + Niereninsuffizienz = die typische Senior-Kombi!

Rund 30-40 % der hyperthyreoten Katzen haben gleichzeitig eine chronische Nierenerkrankung – nur wird sie durch die überschießenden Schilddrüsenhormone „maskiert" (der schnellere Kreislauf spült die Nieren durch). Erst wenn wir die Hyperthyreose behandeln, kommt die Niereninsuffizienz zum Vorschein. Deshalb ist eine gemeinsame Untersuchung beider Organe so wichtig!

Behandlung: 4 Optionen, jede mit Vor- und Nachteilen

Die Hyperthyreose ist eine der am besten behandelbaren Erkrankungen bei Katzen – es gibt gleich mehrere Therapiemöglichkeiten. Welche zu Ihrer Katze passt, entscheiden wir gemeinsam nach individueller Situation:

Methode Vorteile Nachteile
1. Medikamente (Thiamazol) Günstig, schnell wirksam, gut steuerbar Lebenslange Tablettengabe, mögliche Nebenwirkungen, kein Heilung
2. Spezialdiät (Y/D) Keine Tabletten nötig, einfach anzuwenden Nur ausschließlich diese Diät (nichts anderes!), oft schwer umzusetzen bei Freigängern
3. Operation Kann heilen, keine lebenslange Therapie OP-Risiko besonders bei alten Katzen, evtl. Rückfall
4. Radiojod-Therapie Beste Heilungschance (95 %+), einmalige Behandlung, keine OP Nur in Spezialkliniken, Katze muss 1-2 Wochen dort bleiben, teuer

1. Medikamentöse Therapie – der häufigste Weg

Der Wirkstoff Thiamazol (auch Methimazol) hemmt die Produktion der Schilddrüsenhormone. Er wird als Tablette gegeben:

  • 1-2x täglich, meist ½ bis 1 Tablette
  • Wirkung nach 1-2 Wochen sichtbar
  • Regelmäßige Blutkontrollen (anfangs alle 4-6 Wochen, dann alle 3-6 Monate)
  • Bei manchen Katzen als Ohrsalbe möglich, wenn Tablettengabe nicht klappt!

Mögliche Nebenwirkungen von Thiamazol

Bei etwa 15 % der Katzen treten Nebenwirkungen auf: Appetitverlust, Erbrechen, Juckreiz im Gesicht, Blutbildveränderungen. Bei diesen Symptomen bitte sofort in die Praxis kommen – meist reicht eine Dosis-Anpassung oder Wechsel des Präparats.

2. Spezialdiät (Y/D von Hill's)

Diese Spezialdiät enthält extrem wenig Iod – ohne Iod kann die Schilddrüse keine Hormone produzieren:

  • Katze bekommt NUR diese Diät (nass oder trocken)
  • Absolut nichts anderes darf gefressen werden – keine Leckerlis, keine Speisereste, keine „nur ein bisschen"-Ausnahmen
  • Wirkung nach 4-8 Wochen
  • Nicht geeignet für Freigänger (könnten woanders fressen)
  • Nicht bei Mehrkatzenhaushalten sinnvoll (andere Katzen dürfen es essen, aber die Diät-Katze darf NICHTS anderes)

3. Operative Entfernung der Schilddrüse

Die betroffene Schilddrüse wird operativ entfernt. Möglich, aber selten die erste Wahl:

  • OP-Risiko bei alten Katzen (Narkose)
  • Häufig ist die andere Schilddrüsenseite später auch betroffen
  • Nebenschilddrüsen können versehentlich mit entfernt werden
  • Kann heilen, aber Rückfälle möglich

4. Radiojod-Therapie – der Goldstandard

Wenn möglich, ist die Radiojod-Therapie die beste Option:

  • Katze bekommt eine einmalige Spritze mit radioaktivem Jod
  • Das Jod reichert sich nur in den kranken Schilddrüsenzellen an und zerstört sie gezielt
  • Über 95 % Heilungsrate mit einer einzigen Behandlung!
  • Keine OP, keine Tabletten mehr nötig
  • ABER: Katze muss 1-2 Wochen in Spezialklinik bleiben (strahlenschutz)
  • Nur wenige spezialisierte Kliniken in Deutschland
  • Kosten in Deutschland deutlich höher als andere Optionen, aber einmalig

Die Kosten für Diagnose und Behandlung richten sich nach der GOT (Gebührenordnung für Tierärzte). Wir besprechen alle Optionen ausführlich und finden gemeinsam die für Sie und Ihre Katze passende Lösung.

Nach Therapiebeginn: Was ändert sich?

Positive Veränderungen unter Behandlung:

  • Nach 2-4 Wochen: Katze wird ruhiger, entspannter
  • Nach 4-8 Wochen: Gewichtszunahme beginnt, Fressen normalisiert sich
  • Nach 2-3 Monaten: Fell wird wieder glänzend, Muskeln bauen sich auf
  • Herzfrequenz normalisiert sich, Blutdruck sinkt
  • Katze schläft wieder tief und gesund

Vorbeugung: Kann man Hyperthyreose verhindern?

Vollständig verhindern lässt sich die Krankheit nicht. Aber Sie können folgendes tun:

  • Regelmäßige Vorsorge ab 7 Jahren: Idealerweise zweimal jährlich Blutcheck inkl. T4-Wert
  • Hochwertige, abwechslungsreiche Ernährung: Nicht ausschließlich eine Sorte Konservenfutter, moderate Iod-Aufnahme
  • BPA-freies Futter bevorzugen (Frischbeutel statt Konservendose)
  • Symptome früh ernst nehmen: Jedes ungewöhnliches Verhalten bei Senior-Katzen abklären lassen

Häufige Fragen zur Hyperthyreose bei der Katze

Wie lange lebt eine Katze mit Hyperthyreose?

Mit guter Behandlung fast genauso lange wie gesunde Altersgenossen! Unbehandelt kann die Krankheit innerhalb von 1-2 Jahren zu schwerer Herzinsuffizienz und Tod führen. Aber mit Therapie erreichen die meisten Katzen ihr normales Alter – oft 3-5 Jahre nach Diagnose oder mehr, je nach Alter bei Diagnose. Die Radiojod-Therapie bietet die beste Prognose, da sie tatsächlich heilt.

Meine Katze frisst viel mehr – soll ich sie füttern lassen?

Solange die Katze nicht diagnostisch abgeklärt ist: Ja, geben Sie ihr genug zu fressen! Der Körper verbrennt unter Hyperthyreose extrem viel Energie. Wenn Sie das Futter reduzieren, verhungert die Katze innerlich noch schneller. Aber: Lassen Sie den Grund für den Heißhunger schnellstens abklären. Nach Beginn der Therapie normalisiert sich der Appetit von selbst.

Warum kommen manchmal Nierenprobleme erst nach Therapiebeginn zum Vorschein?

Die überschießenden Schilddrüsenhormone erhöhen den Blutdruck und die Nierendurchblutung – dadurch werden schwache Nieren „durchgespült" und ihre Schwäche kaschiert. Wenn wir die Hyperthyreose behandeln, normalisieren sich Blutdruck und Durchblutung – und die tatsächliche Nierenfunktion wird sichtbar. Deshalb kontrollieren wir Nierenwerte 4-6 Wochen nach Therapiebeginn nochmal. Falls nötig, ergänzen wir eine Nierentherapie – beides ist gut zusammen behandelbar.

Kann ich Thiamazol als Ohrsalbe geben, statt Tabletten?

Ja, das ist möglich! Wenn Ihre Katze partout keine Tabletten nimmt oder ausspuckt, gibt es Thiamazol auch als Ohrsalbe (transdermal). Sie wird 1-2x täglich in die Innenseite der Ohrmuschel gerieben, das Medikament wird durch die Haut aufgenommen. Wirkt genauso gut wie Tabletten und ist für viele Besitzer und Katzen viel entspannter. Sprechen Sie uns darauf an – wir bekommen das als Rezeptur aus der Apotheke.

Was kostet die Behandlung insgesamt?

Die Kosten richten sich nach der GOT (Gebührenordnung für Tierärzte) und der gewählten Therapie: Die medikamentöse Therapie ist am günstigsten in laufenden Kosten (Tabletten + regelmäßige Bluttests). Die Y/D-Diät ist etwas teurer im Futter, aber ohne zusätzliche Medikamentenkosten. Die Radiojod-Therapie ist einmalig teuer (mehrere tausend Euro), aber danach heilt sie – langfristig oft die günstigere Option. Wir besprechen alle Kosten transparent mit Ihnen.

Wie oft muss meine Katze zur Kontrolle?

Bei medikamentöser Therapie: Erste Kontrolle nach 3-4 Wochen, um die Dosis anzupassen. Danach alle 2-3 Monate im ersten halben Jahr. Wenn alles stabil ist: alle 4-6 Monate. Bei jeder Kontrolle prüfen wir T4-Wert, Nierenwerte und Blutdruck. Bei anderen Therapien kann der Rhythmus variieren – wir stimmen das individuell ab.

Meine Katze weigert sich, die Y/D-Diät zu fressen – was tun?

Die Y/D-Diät ist geschmacklich für manche Katzen ungewohnt. Tipps: (1) Langsame Umstellung über 2-3 Wochen (immer mehr Y/D, weniger altes Futter). (2) Nass- UND Trockenvariante ausprobieren. (3) Leicht erwärmen (Geruchsentfaltung). (4) Falls die Katze absolut nicht will – die Diät funktioniert nur, wenn ausschließlich sie gefressen wird. Wenn das nicht klappt: Umstieg auf Thiamazol-Tabletten oder Ohrsalbe.

Ist die Radiojod-Therapie wirklich sicher?

Ja, sehr sicher! Die Radiojod-Therapie gilt weltweit als Goldstandard bei Katzen-Hyperthyreose. Das radioaktive Jod (I-131) reichert sich nur in den kranken Schilddrüsenzellen an – gesundes Gewebe bleibt verschont. Die Katze bleibt 1-2 Wochen in der Spezialklinik (Strahlenschutz-Vorschriften), danach ist sie geheilt. Über 95 % der Katzen brauchen danach keine weiteren Medikamente. Nachteil: nur wenige Kliniken bieten das an, und es ist einmalig teurer. Aber wenn machbar – ideal für die Katze.

Verdacht auf Schilddrüsenüberfunktion?

Wenn Ihre Katze plötzlich extremen Hunger hat, aber dünner wird, ist ein Bluttest schnell gemacht und gibt Klarheit. Je früher wir die Hyperthyreose behandeln, desto schneller geht es Ihrer Katze wieder gut. Ich begleite Sie durch alle Therapieoptionen und finde die für Ihre Katze passende Lösung.

Termin vereinbaren oder anrufen – wir sind für Sie da!

Kleintierpraxis Paderborn:
05251/8786101
klinik.dk@gmx.de
Mo-Fr: 10-11:30 & 17-19 Uhr | Sa: 11-12 Uhr

Denken Sie daran: Eine Katze, die viel frisst und trotzdem abnimmt, ist nie „gesund alt". Ein einfacher Bluttest gibt schnell Klarheit – und mit der richtigen Therapie schenken Sie Ihrer Katze wieder Lebensqualität und viele gute Jahre!

Ihre Tierärztin Dorothea Kornat
Kleintierpraxis Paderborn