Hund erbricht: Ursachen, Warnsignale & was jetzt wirklich hilft
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Notfall? Rufen Sie sofort an!
Erbricht Ihr Hund Blut, hat einen aufgeblähten Bauch oder mehrfaches Erbrechen? Das sind lebensbedrohliche Notfälle! Keine Zeit verlieren.
24/7 Notdienst Paderborn: 05251/8786101
Ihr Hund erbricht und Sie sind beunruhigt? Keine Panik! Erbrechen beim Hund kann viele Ursachen haben - von harmlosem zu schnellem Fressen bis zu ernsten Erkrankungen wie Magendrehung. Als Tierärztin in Paderborn sehe ich täglich Hunde mit Erbrechen in meiner Praxis.
In diesem Artikel erkläre ich Ihnen die häufigsten Ursachen für Erbrechen, wann Sie sofort handeln müssen und wie Sie Ihrem Vierbeiner helfen können.
Was die Farbe des Erbrochenen bedeutet
Die Farbe und Konsistenz des Erbrochenen gibt wichtige Hinweise auf die Ursache:
1. Gelber Schaum / Gelbe Flüssigkeit
Aussehen: Schaumig, gelblich, manchmal mit Schleim
Ursache: Galle - der Magen ist leer (z.B. morgens vor dem Fressen). Meist harmlos, aber bei häufigem Auftreten Tierarzt aufsuchen!
2. Weißer Schaum
Aussehen: Weißer, schaumiger Auswurf
Ursache: Magensäure und Luft - ebenfalls leerer Magen. Kann aber auch auf Magenschleimhautentzündung hindeuten.
3. Blut im Erbrochenen (rot oder braun)
Aussehen: Frisches rotes Blut ODER braun wie Kaffeesatz
NOTFALL! Kann auf Magengeschwür, Fremdkörper, Vergiftung oder innere Blutungen hindeuten. Sofort zum Tierarzt!
4. Grün/Grünlich
Aussehen: Grünliche Flüssigkeit
Ursache: Galle aus dem Dünndarm - kann auf Darmverschluss hindeuten! Tierarzt aufsuchen!
Erbrechen beim Hund: Die 3 Dringlichkeitsstufen
SOFORT zum Tierarzt (Notfall!):
- Blut im Erbrochenen - rot oder braun wie Kaffeesatz
- Aufgeblähter, harter Bauch - Verdacht auf Magendrehung (lebensbedrohlich!)
- Mehrfaches Erbrechen ohne Erfolg - würgen ohne dass etwas kommt
- Extreme Schwäche oder Kollaps
- Blasses Zahnfleisch (Schock!)
- Starke Bauchschmerzen - Hund krümmt sich, winselt
- Verdacht auf Vergiftung (nach Giftköder, Rattengift, Schokolade etc.)
- Welpe erbricht mehrfach - schnelle Dehydration!
Heute noch/innerhalb 24h zum Tierarzt:
- Erbrechen seit mehr als 24 Stunden
- Mehrfaches Erbrechen (3+ Mal am Tag)
- Durchfall zusätzlich zum Erbrechen
- Hund frisst oder trinkt nicht mehr
- Fieber (über 39,5°C)
- Grünes Erbrochenes
- Hund ist schlapp, apathisch
- Gewichtsverlust bei chronischem Erbrechen
Beobachten & bei Verschlechterung zum Tierarzt:
- Einmaliges Erbrechen, danach wieder fit
- Hund hat zu schnell gefressen oder zu viel getrunken
- Hund hat Gras gefressen und erbricht danach (1-2 Mal)
- Gelber Schaum morgens auf nüchternen Magen (gelegentlich okay)
- Hund frisst und trinkt normal
- Kein Fieber, gutes Allgemeinbefinden
Die häufigsten Ursachen für Erbrechen beim Hund
1. Zu schnelles Fressen
Die häufigste harmlose Ursache - besonders bei verfressenen Hunden!
Zu schnelles Fressen erkennen:
- Hund schlingt sein Futter herunter
- Erbricht kurz nach dem Fressen unverdautes Futter
- Frisst das Erbrochene oft wieder (eklig, aber normal!)
- Passiert besonders bei Mehrhundehaltung (Futterneid)
Lösung: Anti-Schling-Napf verwenden, Futter portionieren, ruhige Fütterungsumgebung schaffen.
2. Futterunverträglichkeit oder Futterwechsel
Plötzlicher Futterwechsel oder unverträgliche Inhaltsstoffe können Erbrechen auslösen.
Symptome: Erbrechen einige Stunden nach dem Fressen, oft kombiniert mit Durchfall, Bauchgrummeln
Wichtig: Futterwechsel immer langsam über 7-10 Tage! Altes und neues Futter mischen und Verhältnis schrittweise ändern.
3. Gras fressen
Fast alle Hunde fressen gelegentlich Gras - oft um sich danach zu übergeben.
Warum? Magenverstimmung, Langeweile, Instinkt. Gelegentlich ist das normal! Bei exzessivem Grasfressen oder häufigem Erbrechen danach: Tierarzt aufsuchen.
4. Magen-Darm-Infekt (Gastroenteritis)
Viren, Bakterien oder Parasiten können Magen und Darm reizen.
Magen-Darm-Infekt erkennen:
- Mehrfaches Erbrechen
- Durchfall (oft kombiniert)
- Fieber
- Appetitlosigkeit
- Bauchschmerzen
- Teilnahmslosigkeit
Wichtig: Besonders Welpen können schnell dehydrieren! Bei mehrfachem Erbrechen immer zum Tierarzt.
5. Verschluckter Fremdkörper
Hunde fressen alles Mögliche - Socken, Spielzeug, Knochen, Steine...
Symptome: Plötzliches Erbrechen, Würgen, Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen, unproduktives Würgen
NOTFALL bei Verdacht! Fremdkörper können Darmverschluss verursachen - lebensbedrohlich!
6. Vergiftung
Giftköder, Rattengift, Schokolade, Weintrauben, Zwiebeln, Schneckenkorn - viele Substanzen sind für Hunde giftig!
NOTFALL Vergiftung!
Symptome: Plötzliches starkes Erbrechen, Zittern, Krämpfe, Speicheln, Durchfall, Atemnot
Sofort zum Tierarzt! Substanz wenn möglich mitbringen (Verpackung, Erbrochenes).
7. Magendrehung (Torsio ventriculi)
Lebensbedrohlicher Notfall - besonders bei großen Hunden mit tiefem Brustkorb!
Magendrehung erkennen - SOFORT handeln!
- Würgen ohne Erbrechen - nichts kommt
- Extrem aufgeblähter, harter Bauch
- Starke Unruhe, Hund läuft hin und her
- Starkes Hecheln, Speicheln
- Schwäche bis Kollaps
- Blasses Zahnfleisch
JEDE MINUTE ZÄHLT! Sofort zum Tierarzt - OP nötig!
8. Chronische Gastritis (Magenschleimhautentzündung)
Bei wiederholtem Erbrechen über längeren Zeitraum.
Symptome: Regelmäßiges Erbrechen von gelbem Schaum (besonders morgens), Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Bauchschmerzen
9. Organerkrankungen
Nieren-, Leber-, Bauchspeicheldrüsenerkrankungen können Erbrechen auslösen.
Typisch: Chronisches Erbrechen, Gewichtsverlust, erhöhter Durst, Gelbfärbung (Leber), schlechter Atem
10. Reisekrankheit
Manche Hunde werden beim Autofahren übel - wie Menschen!
Symptome: Speicheln, Unruhe, Erbrechen während/nach Autofahrt
Was kann ich zu Hause tun? Erste Hilfe bei Erbrechen
Sofortmaßnahmen bei Erbrechen:
- Ruhe bewahren - nicht jedes Erbrechen ist ein Notfall!
- Hund beobachten: Wie oft erbricht er? Was kommt raus? Wie geht es ihm?
- Foto machen vom Erbrochenen - eklig, aber hilft dem Tierarzt enorm bei der Diagnose!
- Temperatur messen - Normal: 38-39°C, Fieber ab 39,5°C
- Futterentzug 12-24 Stunden - Magen beruhigen (aber nur bei einmaligem Erbrechen!)
- Wasser in kleinen Mengen anbieten - Dehydration vermeiden (schluckweise alle 15 Min.)
- Schonkost nach Futterentzug: Gekochtes Hühnchen mit Reis (ungewürzt)
Tierarzt-Tipp:
Machen Sie ein Foto vom Erbrochenen! Ich weiß, das ist unangenehm - aber die Farbe und Konsistenz geben uns wichtige Hinweise auf die Ursache. Ist Blut dabei? Galle? Fressbares? Das alles hilft bei der Diagnose. Auch ein Video vom Vorgang des Erbrechens kann hilfreich sein!
Diese Fehler NICHT machen!
Gefährlich - bitte NICHT tun:
- ❌ Medikamente für Menschen geben: Viele sind für Hunde giftig!
- ❌ Bei mehrfachem Erbrechen weiter füttern: Verschlimmert die Situation!
- ❌ Erbrechen selbst herbeiführen: Nur auf tierärztliche Anweisung bei Vergiftung!
- ❌ Milch geben: Verschlimmert oft Magen-Darm-Probleme
- ❌ Zu lange warten: Dehydration kann lebensbedrohlich werden, besonders bei Welpen!
- ❌ Nach Magendrehung-Symptomen noch abwarten: Jede Minute zählt!
Was macht der Tierarzt bei Erbrechen?
1. Anamnese & Untersuchung
- Seit wann erbricht der Hund?
- Wie oft? Wie sieht das Erbrochene aus? (Darum: Foto zeigen!)
- Wann erbricht er? (Nach Fressen, morgens, nachts?)
- Was hat er gefressen? Futterwechsel? Giftiger Zugang möglich?
- Zusätzliche Symptome? (Durchfall, Fieber, Schwäche?)
- Abtasten des Bauches (Schmerzen? Fremdkörper? Magendrehung?)
- Schleimhautkontrolle (Dehydration? Schock?)
- Temperaturmessung
2. Diagnostik (je nach Verdacht)
- Blutuntersuchung: Entzündung, Organwerte (Leber, Niere, Bauchspeicheldrüse), Elektrolyte
- Röntgen: Fremdkörper, Magendrehung, Darmverschluss erkennen
- Ultraschall: Magen-Darm-Trakt, Organe beurteilen
- Endoskopie: Magenspiegelung bei Verdacht auf Fremdkörper oder Magenschleimhautentzündung
- Kotuntersuchung: Parasiten, Bakterien
3. Behandlung (je nach Ursache)
- Magen-Darm-Infekt: Infusionen, Antibiotika wenn bakteriell, Schonkost, Antiemetika (gegen Übelkeit)
- Futterunverträglichkeit: Ausschlussdiät, hypoallergenes Futter
- Fremdkörper: Entfernung endoskopisch oder chirurgisch - OP oft nötig!
- Magendrehung: NOTFALL-OP! Magen zurückdrehen und fixieren
- Vergiftung: Infusionen, Aktivkohle, spezifische Antidote, stationäre Überwachung
- Chronische Gastritis: Magenschutz, Diät, Medikamente gegen Übelkeit
- Organerkrankungen: Je nach Organ - lebenslange Medikation, Spezialfutter
Erbrechen vorbeugen: So geht's!
So minimieren Sie das Erbrechen-Risiko:
- Anti-Schling-Napf verwenden: Verhindert zu schnelles Fressen
- Futterwechsel langsam durchführen: Über 7-10 Tage mischen
- Regelmäßige Fütterungszeiten: Verhindert leeren Magen (gelber Schaum)
- Hochwertiges, verträgliches Futter: Auf Ihren Hund abgestimmt
- Keine Essensreste vom Tisch: Viele menschliche Lebensmittel sind unverträglich
- Giftige Lebensmittel sicher aufbewahren: Schokolade, Weintrauben, Zwiebeln etc.
- Beaufsichtigung beim Spaziergang: Kein Müll, kein Aas fressen lassen
- Keine Knochen, Stöckchen, Spielzeugteile: Fremdkörpergefahr!
- Magendrehung-Prävention: Nach Fressen 1-2h Ruhe, mehrere kleine Mahlzeiten statt einer großen (besonders große Hunde!)
Besonderheiten bei Welpen und Senioren
Welpen:
Besonders gefährdet! Welpen dehydrieren sehr schnell. Schon 2-3 maliges Erbrechen kann kritisch werden. Immunsystem noch nicht ausgereift - Infekte verlaufen oft schwerer. Bei Erbrechen immer zeitnah zum Tierarzt! Auch Vergiftungen und verschluckte Spielzeugteile kommen häufiger vor.
Senioren (ab 7-8 Jahren):
Chronisches Erbrechen bei älteren Hunden sollte IMMER abgeklärt werden! Häufige Ursachen: Organerkrankungen (Niere, Leber), chronische Gastritis, Tumore. Nicht als "normales Altern" abtun - dahinter stecken oft behandelbare Erkrankungen! Je früher diagnostiziert, desto besser die Prognose.
Häufige Fragen zu Erbrechen beim Hund
Bei einmaligem Erbrechen ohne weitere Symptome können Sie 24h beobachten. SOFORT zum Tierarzt bei: Blut im Erbrochenen, mehrfachem Erbrechen (3+ Mal), zusätzlichem Durchfall, Schwäche, aufgeblähtem Bauch, Verdacht auf Vergiftung oder bei Welpen. Im Zweifel lieber einmal zu viel als zu wenig!
Gelber Schaum ist Galle und zeigt einen leeren Magen an - typischerweise morgens vor dem Fressen. Gelegentlich ist das harmlos. Bei häufigem Auftreten kann eine chronische Gastritis (Magenschleimhautentzündung) dahinterstecken. Tipp: Füttern Sie abends eine kleine Portion oder geben Sie morgens früher Futter.
Häufige Ursache: Zu schnelles Fressen! Der Hund schlingt, verschluckt Luft und würgt alles wieder hoch - oft frisst er es danach wieder (eklig, aber normal). Lösung: Anti-Schling-Napf, kleinere Portionen, ruhige Fütterung ohne Konkurrenz. Bleibt das Problem bestehen, kann auch Futterunverträglichkeit die Ursache sein.
Magendrehung ist ein absoluter NOTFALL! Typische Symptome: Erfolgsloses Würgen (nichts kommt raus), extrem aufgeblähter harter Bauch, starke Unruhe, Hecheln, Speicheln, blasses Zahnfleisch, Schwäche/Kollaps. Betrifft vor allem große Hunde mit tiefem Brustkorb. SOFORT zum Tierarzt - jede Minute zählt! OP ist lebensrettend.
Nach einmaligem Erbrechen: 12-24h Futterentzug (Magen beruhigen), aber Wasser in kleinen Mengen anbieten. Danach langsam Schonkost einführen (gekochtes Hühnchen + Reis, ungewürzt). ABER: Bei mehrfachem Erbrechen nicht selbst behandeln - Tierarzt aufsuchen! Der Hund braucht ggf. Infusionen gegen Dehydration.
Die Kosten hängen von der Ursache ab. Einfache Magen-Darm-Infektion mit Untersuchung und Medikamenten: ca. 80-150€. Mit Blutuntersuchung, Röntgen, Infusion: 200-400€. Notfall-OP bei Fremdkörper oder Magendrehung: 1.000-3.000€. Bei Notfällen zählt das Leben Ihres Tieres - die Kosten klären wir danach!
Ihr Hund erbricht?
Warten Sie nicht zu lange! Je früher wir die Ursache finden, desto besser können wir helfen. Unsere erfahrenen Tierärzte in Paderborn sind für Sie da.
Unsicher, ob es ein Notfall ist? Rufen Sie an - wir beraten Sie am Telefon!
24/7 Notdienst Tierarzt Paderborn:
05251/8786101
klinik.dk@gmx.de
Bei Erbrechen lieber einmal zu viel als zu wenig zum Tierarzt - Ihr Hund wird es Ihnen danken!
Ihre Tierärztin Dorothea Kornat
Kleintierpraxis Paderborn