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Hitzschlag beim Hund: Symptome, Erste Hilfe & wie Sie Ihren Hund im Sommer schützen

16. Mai 2026 Tierärztin Dorothea Kornat 11 Min. Lesezeit
Hitzschlag beim Hund Symptome Erste Hilfe Tierarzt Paderborn

Foto: Freepik

Hitzschlag ist immer ein NOTFALL!

Ein Hitzschlag beim Hund kann innerhalb weniger Minuten lebensbedrohlich werden. Über 50 % der unbehandelten Fälle enden tödlich. Jede Minute zählt!

Verdacht auf Hitzschlag? Rufen Sie sofort an:
05251/8786101

Ihr Hund hechelt ungewöhnlich stark, taumelt oder wirkt apathisch nach einem Spaziergang in der Sonne? Das könnten Anzeichen eines Hitzschlags sein – einer der gefährlichsten Notfälle in der Tiermedizin. Als Tierärztin in Paderborn behandle ich jeden Sommer Hunde mit Hitzschlag – und viele Fälle wären vermeidbar gewesen.

In diesem Artikel erkläre ich Ihnen, wie Sie einen Hitzschlag rechtzeitig erkennen, welche Erste-Hilfe-Maßnahmen Leben retten können – und wie Sie verhindern, dass es überhaupt so weit kommt.

Warum bekommen Hunde so schnell einen Hitzschlag?

Hunde regulieren ihre Körpertemperatur ganz anders als wir Menschen. Sie schwitzen nicht über die Haut – sie haben nur Schweißdrüsen an den Pfotenballen. Die Hauptmethode der Wärmeabgabe ist Hecheln: Durch schnelles Atmen verdunstet Feuchtigkeit im Maul und der Hund kühlt sich ab.

Wichtige Fakten zur Hitzeregulation beim Hund:

  • Normale Körpertemperatur: 37,5 – 39,0 °C
  • Erhöht: Über 39,5 °C – kritisch beobachten
  • Hitzschlag: Ab 40 °C – lebensgefährlich!
  • Über 42 °C: Organschäden und Multiorganversagen möglich
  • Hecheln allein reicht oft nicht: Bei hoher Luftfeuchtigkeit oder Atemwegsproblemen kann der Hund seine Temperatur nicht ausreichend regulieren

Welche Hunde sind besonders gefährdet?

Hochrisiko-Gruppen für Hitzschlag:

  • Kurznasige Rassen (Brachyzephale): Mops, Französische Bulldogge, Englische Bulldogge, Boxer, Pekinese – ihre verkürzten Atemwege machen die Wärmeabgabe extrem schwer
  • Übergewichtige Hunde: Fettgewebe isoliert und erschwert die Wärmeabgabe
  • Ältere Hunde: Die Temperaturregulation funktioniert nicht mehr so effizient
  • Welpen: Noch unausgereifte Temperaturregulation
  • Langhaarige Rassen: Dichtes Fell ist im Sommer eine zusätzliche Belastung
  • Hunde mit Herz- oder Atemwegserkrankungen: Können den erhöhten Sauerstoffbedarf nicht decken
  • Hunde mit dunklem Fell: Absorbieren mehr Sonnenwärme

Symptome: So erkennen Sie einen Hitzschlag rechtzeitig

Der Hitzschlag entwickelt sich oft schleichend, bis er plötzlich kritisch wird. Achten Sie auf diese Warnzeichen – je früher Sie reagieren, desto besser die Überlebenschancen!

Anzeichen von Überhitzung und Hitzschlag:

  • Starkes Hecheln: Schnell, flach, mit weit herausgestreckter Zunge
  • Stark vermehrter Speichelfluss: Sabbern, schaumiger Speichel
  • Rote, dunkle Zunge und Zahnfleisch: Zeichen für Sauerstoffmangel
  • Glasiger Blick, geweitete Pupillen: Hund wirkt verloren oder verwirrt
  • Unruhe gefolgt von Apathie: Erst nervös, dann schlapp und teilnahmslos
  • Taumeln, Schwäche im Hinterteil: Hund knickt ein oder fällt um
  • Erbrechen oder Durchfall: Oft auch mit Blut
  • Nasenbluten: Spätes, ernstes Zeichen
  • Bewusstseinsverlust, Krampfanfälle: Lebensbedrohlich – sofort handeln!

Erste Hilfe: Was Sie sofort tun müssen

Bei Verdacht auf Hitzschlag zählt jede Minute. Bringen Sie den Hund nicht erst zum Tierarzt – kühlen Sie ihn SOFORT vor Ort herunter, parallel den Tierarzt anrufen.

Erste-Hilfe-Maßnahmen Schritt für Schritt:

  1. Aus der Hitze bringen: Sofort an einen schattigen, kühlen, gut belüfteten Ort. Wenn möglich in einen klimatisierten Raum oder vor einen Ventilator
  2. Tierarzt anrufen: Parallel zur Kühlung Praxis informieren – 05251/8786101
  3. Vorsichtig herunterkühlen – nicht zu schnell!
    • Lauwarmes (NICHT eiskaltes!) Wasser über Pfoten, Bauch und Innenseite der Schenkel laufen lassen
    • Nasse, kühle (nicht eisige!) Handtücher auf den Hund legen – häufig wechseln
    • NIEMALS in eisiges Wasser tauchen! Das verursacht Schock und Gefäßverengung – die Hitze kann nicht mehr abgegeben werden
  4. Wasser anbieten: Kleine Schlucke lauwarmes Wasser, wenn der Hund noch trinken kann. Nicht zwangsweise einflößen – Aspirationsgefahr!
  5. Temperatur messen: Wenn möglich, rektale Temperatur kontrollieren. Bei Erreichen von 39 °C die Kühlung stoppen, sonst kühlt der Hund weiter aus und unterkühlt
  6. Sofort zum Tierarzt: Auch wenn es dem Hund wieder besser geht – innere Schäden zeigen sich oft erst Stunden später!

Diese Fehler sind lebensgefährlich!

  • KEIN Eiswasser oder eiskaltes Wasser – führt zu Gefäßverengung und Schock
  • NICHT komplett in Wasser tauchen – Atemnot und Schock möglich
  • NICHT in nasse Decken einwickeln und einpacken – die Wärme bleibt darunter eingeschlossen
  • NIEMALS Wasser zwangsweise einflößen – Aspirationsgefahr
  • NICHT erst abwarten – Hitzschlag verschlimmert sich rasend schnell

Warum auch nach scheinbarer Erholung zum Tierarzt?

Ein Hitzschlag belastet alle Organe – auch wenn der Hund nach dem Abkühlen wieder normal wirkt. Spätfolgen können sich Stunden bis Tage später zeigen:

  • Nierenversagen: Bei Überhitzung werden die Nieren stark beansprucht
  • Gerinnungsstörungen: Können zu inneren Blutungen führen
  • Leberschäden: Stille Schädigung, oft erst durch Bluttest erkennbar
  • Hirnschwellung: Kann zu neurologischen Ausfällen führen
  • Magen-Darm-Schäden: Blutiger Durchfall, Erbrechen

Eine tierärztliche Kontrolle mit Blutuntersuchung und Beobachtung ist daher nach jedem Hitzschlag-Verdacht dringend empfohlen – auch wenn Ihr Hund sich wieder gut zu fühlen scheint.

Vorbeugung: So schützen Sie Ihren Hund im Sommer

Die wichtigsten Sommer-Regeln für Hundebesitzer:

  • Gassi nur früh morgens und abends: Vor 9 Uhr und nach 19 Uhr – wenn es kühler ist
  • Mittagszeit meiden: Zwischen 11 und 18 Uhr lieber drinnen bleiben
  • Asphalt-Test mit der Handfläche: Wenn der Asphalt für Sie 7 Sekunden zu heiß ist, ist er für die Pfoten Ihres Hundes zu heiß!
  • Immer Wasser dabei haben: Faltbarer Trinknapf oder Trinkflasche für unterwegs
  • Schattige Routen wählen: Wald, Wege mit Bäumen, asphaltfreie Pfade
  • Kühlende Hilfen nutzen: Kühlmatten, nasse Handtücher, Plansch-Pool im Garten
  • Klimaanlage und Ventilator nutzen: Aber kein direkter, dauerhafter Luftzug auf den Hund
  • Niemals lange in der prallen Sonne lassen: Auch ein Hundeplatz in der Sonne kann gefährlich werden

NIEMALS den Hund im Auto lassen!

Schon bei 22 °C Außentemperatur kann sich das Auto in 10 Minuten auf 40 °C aufheizen – auch im Schatten und mit geöffnetem Fenster! Bei 30 °C Außentemperatur sind es nach 30 Minuten über 50 °C im Wagen. Das ist eine Todesfalle.

Sehen Sie einen Hund alleine im heißen Auto? Rufen Sie sofort die Polizei (110)! In akuter Lebensgefahr darf die Scheibe eingeschlagen werden!

Was tun, wenn ich einen Hund im heißen Auto sehe?

Wenn Sie an einem heißen Tag einen alleine eingesperrten Hund in einem Auto sehen:

  1. Standort genau merken: Kennzeichen, Lage, Beschreibung des Wagens
  2. Hundezustand beobachten: Hechelt er stark? Wirkt er apathisch? Ist er bei Bewusstsein?
  3. Halter suchen: Geschäfte in der Nähe nach dem Halter ausrufen lassen (Lautsprecherdurchsage)
  4. Bei akuter Not: Polizei 110 anrufen
  5. Im äußersten Notfall: Scheibe einschlagen (Rechtfertigung durch §34 StGB Nothilfe) – möglichst nicht die vor dem Hund
  6. Hund sofort kühlen wie oben beschrieben und zum Tierarzt bringen

Häufige Fragen zum Hitzschlag beim Hund

Ab welcher Temperatur ist es für Hunde gefährlich?

Es gibt keine starre Grenze – schon ab 25 °C sollten Sie vorsichtig sein. Entscheidend sind aber auch Luftfeuchtigkeit, Sonneneinstrahlung, Aktivität und der individuelle Hund. Brachyzephale Rassen (Mops, Bulldogge) können schon bei 22 °C in Gefahr sein! Faustregel: Wenn Sie selbst schwitzen, ist es für Ihren Hund schon belastend – passen Sie Aktivitäten und Spaziergänge entsprechend an.

Mein Hund hechelt stark – ist das schon ein Hitzschlag?

Hecheln allein ist normale Kühlungsreaktion – noch kein Alarm. Wenn aber zusätzlich Symptome wie Apathie, Taumeln, sehr rote Zunge, Erbrechen oder ungewöhnliches Verhalten dazukommen, ist es eine Notfallsituation. Bringen Sie den Hund sofort in den Schatten, bieten Sie Wasser an und beobachten Sie ihn. Bei Verschlechterung – sofort kühlen und zum Tierarzt!

Darf ich meinen Hund im Sommer scheren, damit er nicht so heiß hat?

Das hängt von der Rasse ab! Bei doppellagigem Fell (z. B. Golden Retriever, Husky, Schäferhund) sollten Sie das Fell NICHT komplett scheren – die Unterwolle isoliert auch GEGEN Hitze und schützt vor Sonnenbrand. Hier reicht regelmäßiges Bürsten zur Entfernung loser Unterwolle. Bei einlagigem, langem Fell (z. B. Pudel, Yorkshire) kann ein Sommerschnitt sinnvoll sein. Lassen Sie sich beim Hundefriseur oder bei uns beraten – Fellpflege im Sommer ist individuell!

Wie erkenne ich, ob der Asphalt zu heiß ist?

Machen Sie den 7-Sekunden-Test: Legen Sie Ihre Handfläche für 7 Sekunden auf den Asphalt. Können Sie die Hand nicht so lange darauf halten – ist es für die Pfoten Ihres Hundes zu heiß! Hundepfoten sind empfindlich – Verbrennungen entstehen schneller, als man denkt. An sonnigen Tagen kann Asphalt bis zu 60 °C heiß werden. Weiche Wege, Gras oder Wald sind dann die bessere Wahl.

Mein Hund liebt es zu schwimmen – ist das sicher im Sommer?

Schwimmen ist eine tolle Abkühlung! Beachten Sie aber: Auch im Wasser nicht zu lange am Stück, vor allem nicht in der prallen Sonne. Sonnenbrand auf Nase und Ohren ist auch beim Schwimmen möglich (besonders bei hellfärbigen Hunden). Nach dem Schwimmen abtrocknen – dauernde Nässe kann Ohrenentzündungen begünstigen. Achtung bei Blaualgen in stehenden Gewässern – diese sind hochgiftig für Hunde!

Können Hunde Sonnenbrand bekommen?

Ja! Besonders helle, kurzhaarige Hunde oder solche mit rosafarbener Haut sind gefährdet – vor allem an Nase, Ohrenspitzen und Bauch. Sonnenbrand ist nicht nur schmerzhaft, sondern erhöht auch das Hautkrebsrisiko. Spezielle Hunde-Sonnencreme (nicht für Menschen – Zink-Oxid ist giftig für Hunde!) kann helfen, ebenso schattige Plätze und das Vermeiden der prallen Mittagssonne. Bei längerer Sonnenexposition lieber dünne Hundekleidung mit UV-Schutz.

Mein Hund hatte einmal einen Hitzschlag – ist er jetzt anfälliger?

Ja, leider. Hunde, die bereits einen Hitzschlag durchgemacht haben, sind oft empfindlicher gegenüber Hitze und tragen ein höheres Risiko, erneut einen zu erleiden. Außerdem können Spätfolgen wie Nieren- oder Leberschäden zurückbleiben. Besondere Vorsicht im Sommer: Aktivitäten nur in den kühlen Tageszeiten, ausreichend Pausen, immer Wasser bereithalten und regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Tierarzt.

Was kostet die Notfallbehandlung bei Hitzschlag?

Die Kosten richten sich nach der GOT (Gebührenordnung für Tierärzte) und dem Schweregrad. Ein leichter Fall mit Beobachtung und Infusion ist überschaubar, schwere Fälle mit intensiver Therapie, Sauerstoffgabe und längerem Klinikaufenthalt können deutlich kostenintensiver sein. Wichtig: Bei einem Hitzschlag zählt jede Minute – Kosten sollten in dem Moment nie der Grund sein zu zögern. Wir besprechen die Möglichkeiten transparent mit Ihnen.

Notfall? Wir sind für Sie da!

Bei Verdacht auf Hitzschlag: Sofort kühlen, sofort anrufen, sofort kommen! Jede Minute zählt. Wir sind während der Sprechzeiten und im Notdienst für Sie und Ihren Hund erreichbar.

Kleintierpraxis Paderborn:
05251/8786101
klinik.dk@gmx.de
Mo-Fr: 10-11:30 & 17-19 Uhr | Sa: 11-12 Uhr

Denken Sie daran: Ein Hitzschlag ist fast immer vermeidbar – mit etwas Aufmerksamkeit und Voraussicht. Genießen Sie den Sommer mit Ihrem Hund sicher!

Ihre Tierärztin Dorothea Kornat
Kleintierpraxis Paderborn