Ohrenentzündung beim Hund: Symptome, Ursachen & richtige Behandlung
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Ohrprobleme nicht unterschätzen!
Ohrenentzündungen gehören zu den häufigsten Erkrankungen beim Hund! Unbehandelt können sie chronisch werden und zu bleibenden Schäden bis hin zur Taubheit führen.
Ihr Hund kratzt sich am Ohr oder schüttelt den Kopf? Rufen Sie uns an: 05251/8786101
Ihr Hund schüttelt ständig den Kopf? Kratzt sich am Ohr? Das Ohr riecht unangenehm oder sieht rot aus? Das sind typische Anzeichen einer Ohrenentzündung (Otitis)! Als Tierärztin in Paderborn behandle ich täglich Hunde mit Ohrproblemen - und weiß: Je früher Sie handeln, desto besser!
In diesem Artikel erkläre ich Ihnen, wie Sie eine Ohrenentzündung erkennen, welche Ursachen dahinterstecken und wie die richtige Behandlung aussieht. Denn: Nicht jede Ohrenentzündung ist gleich!
Was ist eine Ohrenentzündung beim Hund (Otitis)?
Ohrenentzündung (medizinisch: Otitis) ist eine Entzündung des Ohrs. Je nachdem, welcher Teil betroffen ist, unterscheidet man:
3 Arten von Ohrenentzündung:
- Otitis externa (Außenohrentzündung):
- Häufigste Form! (80% aller Fälle)
- Entzündung des äußeren Gehörgangs
- Gut sichtbar und behandelbar
- Otitis media (Mittelohrentzündung):
- Entzündung hinter dem Trommelfell
- Oft Folge einer unbehandelten Otitis externa
- Schmerzhafter, schwerer zu behandeln
- Otitis interna (Innenohrentzündung):
- Selten, aber sehr ernst!
- Kann zu Gleichgewichtsstörungen führen
- Risiko für bleibende Taubheit
Symptome: So erkennen Sie eine Ohrenentzündung beim Hund
Typische Anzeichen einer Ohrenentzündung:
- Kopfschütteln: Häufig, heftig, plötzlich
- Kratzen am Ohr: Ständig, oft mit Hinterpfote
- Schiefhaltung des Kopfes: Neigt Kopf zur betroffenen Seite
- Berührungsempfindlichkeit: Jault auf, zuckt weg, mag nicht angefasst werden am Ohr
- Rötung im Ohr: Innen gerötet, geschwollen
- Ausfluss aus dem Ohr: Gelb, braun, schwarz oder blutig
- Übler Geruch: Stinkendes Ohr (typisch bei bakterieller Entzündung!)
- Schmutz/Ablagerungen: Viel Ohrenschmalz, Krusten
- Verhaltensänderungen: Unruhig, aggressiv, will nicht spielen
- Reibt Ohr am Boden/Möbeln
- Bei Mittel-/Innenohr: Gleichgewichtsstörungen, Augenflackern (Nystagmus), Taubheit
WICHTIG:
Schon bei 1-2 dieser Symptome sollten Sie zum Tierarzt! Je länger Sie warten, desto schwerer wird die Entzündung zu behandeln.
Ursachen: Warum bekommen Hunde Ohrenentzündungen?
Ohrenentzündungen haben IMMER einen Grund. Oft spielen mehrere Faktoren zusammen:
1. Allergien (häufigste Grundursache!)
Allergien als Hauptauslöser:
50-80% aller chronischen Ohrenentzündungen werden durch Allergien verursacht!
Häufige Allergien:
- Futtermittelallergie: Häufig gegen Rind, Huhn, Weizen, Mais
- Umweltallergie (Atopie): Pollen, Gräser, Hausstaubmilben
- Flohspeichel-Allergie: Bereits ein Flohbiss reicht!
Typisch: Wiederkehrende Ohrenentzündungen, oft beidseitig, zusätzlich Pfotenlecken, Juckreiz am Bauch
2. Ohrmilben
Besonders bei Welpen und Junghunden!
- Winzige Parasiten im Ohr
- Starker Juckreiz
- Typisch: Dunkler, krümeliger Ausfluss (wie Kaffeesatz)
- Sehr ansteckend für andere Hunde/Katzen
3. Fremdkörper im Ohr
Häufig im Sommer!
- Grannen (Grassamen) - bohren sich tief ins Ohr!
- Kleine Äste, Dornen
- Insekten
Symptom: Plötzliches, heftiges Kopfschütteln nach Spaziergang im Feld
4. Bakterien & Hefepilze
Sind meist NICHT die Hauptursache, sondern eine Folge!
- Bakterien: Oft übler Geruch, eitriger Ausfluss
- Hefepilze (Malassezien): Süßlich-ranziger Geruch, brauner Ausfluss
5. Anatomie (Rasse-bedingt)
Anfällige Hunderassen:
Schlappohren = höheres Risiko! Weniger Luftzirkulation = feucht-warmes Klima = ideale Bedingung für Keime
Besonders betroffen:
- Cocker Spaniel, Basset Hound (sehr lange Ohren)
- Labrador, Golden Retriever (lieben Wasser!)
- Französische Bulldogge, Mops (enge Gehörgänge)
- Deutscher Schäferhund, West Highland White Terrier (häufig Allergien)
- Pudel, Shih Tzu (viel Fell im Ohr)
6. Wasser im Ohr
Häufig bei wasserliebenden Hunden!
- Schwimmen, Baden
- Wasser bleibt im Ohr → feuchte Umgebung → Keimwachstum
7. Zu viel Ohrenpflege (ja, wirklich!)
Übertriebenes Ohrenputzen kann schaden!
- Zerstört natürliche Schutzbarriere
- Reizt die Haut
- Kann Entzündung AUSLÖSEN statt verhindern
8. Weitere Ursachen:
- Tumore im Ohr (v.a. bei älteren Hunden)
- Polypen
- Hormonstörungen (Schilddrüse)
- Immunerkrankungen
Diagnose beim Tierarzt - Was wird gemacht?
Untersuchung beim Tierarzt:
- Anamnese:
- Wie lange? Welche Symptome? Einseitig oder beidseitig?
- Frühere Ohrprobleme? Allergien bekannt?
- Badet der Hund oft? Welches Futter?
- Otoskopie (Ohr-Untersuchung):
- Mit Otoskop (Lichtquelle + Lupe) ins Ohr schauen
- Trommelfell intakt? Fremdkörper? Tumor?
- Manchmal Sedierung nötig (zu schmerzhaft!)
- Abstrich & Mikroskopie:
- Probe aus dem Ohr entnehmen
- Unterm Mikroskop: Bakterien? Hefepilze? Milben?
- Wichtig für richtige Behandlung!
- Bei chronischen Fällen zusätzlich:
- Bakterienkultur + Antibiogramm (welches Antibiotikum wirkt?)
- Allergie-Diagnostik (Bluttest, Ausschlussdiät)
- Bildgebung (Röntgen, CT) bei Verdacht auf Mittel-/Innenohr-Beteiligung
Behandlung einer Ohrenentzündung beim Hund
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache! Deshalb ist die Diagnose so wichtig.
1. Ohrreinigung (WICHTIGSTER erster Schritt!)
Warum Ohrreinigung so wichtig ist:
Ohne gründliche Reinigung wirken Medikamente kaum! Sekret, Schmutz und Krusten müssen raus.
Wie?
- Mit speziellem Ohrreiniger vom Tierarzt (NICHT Wasser, Alkohol oder Öl!)
- Einmassieren, Hund schütteln lassen, Ausfluss vorsichtig auswischen
- Bei starker Verschmutzung: Reinigung beim Tierarzt (mit Spezialgerät)
2. Medikamentöse Behandlung
Je nach Ursache:
Ohrentropfen/Ohrsalbe:
- Antibiotikum: Bei bakterieller Infektion
- Antimykotikum: Bei Hefepilzen
- Kortison: Gegen Entzündung und Schwellung
- Kombipräparate: Enthalten oft alle 3 Wirkstoffe
Anwendung: Meist 2x täglich für 1-2 Wochen (auch wenn Symptome früher weg sind!)
Systemische Therapie (Tabletten/Spritzen):
- Bei Mittel-/Innenohr-Beteiligung
- Bei schwerer Entzündung
- Antibiotika, Schmerzmittel, evtl. Cortison
Spezielle Behandlungen:
- Ohrmilben: Antiparasitäre Mittel (Spot-on oder Tabletten)
- Fremdkörper: Entfernung (oft in Narkose)
- Allergien: Allergenkarenz, Spezialfutter, Immuntherapie
3. Behandlung der Grundursache (entscheidend!)
Wichtig zu verstehen:
Ohne Behandlung der GRUNDURSACHE kommen Ohrenentzündungen immer wieder! Nur Symptome zu behandeln reicht nicht.
Bei Allergien: Futtermittelallergie-Test (Ausschlussdiät 8-12 Wochen!), Hypoallergenes Futter, evtl. Apoquel/Zytopoint gegen Juckreiz
Bei Flöhen: Konsequente Flohbekämpfung (Tier + Umgebung)
Bei anatomischen Problemen: Evtl. operative Ohrkorrektur in schweren Fällen
4. Bei chronischen Fällen: OP manchmal nötig
Wenn nichts mehr hilft:
- Ear Canal Ablation: Gehörgang wird entfernt
- Nur in extremen Fällen
- Hund wird taub auf dieser Seite, aber schmerzfrei
Hausmittel gegen Ohrenentzündung - Was hilft wirklich?
Ehrliche Tierarzt-Meinung zu Hausmitteln:
❌ Kamillentee, Essig, Olivenöl: NICHT ins Ohr geben! Können Entzündung verschlimmern, reizen die Haut, zerstören Schutzfilm.
❌ Wasserstoffperoxid, Alkohol: NIEMALS! Viel zu aggressiv, schmerzhaft, schädigt Gewebe.
❌ Wattestäbchen: GEFÄHRLICH! Können Trommelfell verletzen, schieben Schmutz tiefer rein.
✅ Lauwarmes Wasser + weiches Tuch: NUR äußere Ohrmuschel vorsichtig reinigen. NICHT in den Gehörgang!
✅ Kühlung (äußerlich): Kühlpack in Handtuch wickeln, vorsichtig aufs Ohr legen bei starker Schwellung (nur wenn Hund es toleriert).
Tierarzt-Fazit: Bei Ohrenentzündungen KEINE Hausmittel ins Ohr! Zu groß ist das Risiko, die Entzündung zu verschlimmern oder das Trommelfell zu verletzen. Gehen Sie zum Tierarzt!
Ohrenentzündung vorbeugen - So schützen Sie Ihren Hund!
10 Tipps zur Vorbeugung:
- Ohren regelmäßig KONTROLLIEREN: 1x/Woche ins Ohr schauen (rosa = gesund!)
- Ohren NUR bei Bedarf reinigen: Nicht zu oft! Nur wenn sichtbar schmutzig
- Richtigen Ohrreiniger verwenden: Vom Tierarzt, pH-neutral, nicht reizend
- Nach dem Schwimmen Ohren trocknen: Mit weichem Tuch äußere Ohrmuschel trockentupfen, Wasser rausschütteln lassen
- Allergien behandeln: Hypoallergenes Futter, Flohkontrolle, Allergiebehandlung konsequent!
- Ohrhaare entfernen (nur bei bestimmten Rassen): Pudel, Shih Tzu - überschüssiges Fell im Ohr vorsichtig zupfen lassen (Tierarzt/Groomer)
- Fremdkörper vermeiden: Nach Spaziergängen im Feld Ohren checken
- Nicht zu tief reinigen: Nur äußere Bereiche, nie mit Stäbchen in Gehörgang!
- Regelmäßige Tierarzt-Checks: Jährlich (bei anfälligen Rassen: 2x/Jahr)
- Bei ersten Anzeichen sofort zum Tierarzt: Je früher, desto leichter zu behandeln!
Wann muss ich zum Tierarzt?
SOFORT zum Tierarzt:
- Starke Schmerzen - Hund schreit, lässt sich nicht anfassen
- Geschwollenes, heißes Ohr (Blutohr/Othämatom)
- Gleichgewichtsstörungen, Taumeln (Innenohr!)
- Augenzucken (Nystagmus)
- Blutiger Ausfluss
- Hund verweigert Futter, apathisch
Zeitnah zum Tierarzt (innerhalb 1-2 Tage):
- Kopfschütteln, Kratzen am Ohr seit > 24 Stunden
- Rötung, Schwellung im Ohr sichtbar
- Übler Geruch aus dem Ohr
- Ausfluss aus dem Ohr (gelb, braun, schwarz)
- Hund hält Kopf schief
- Ohrenentzündung trotz Behandlung nach 3-5 Tagen nicht besser
- Wiederkehrende Ohrprobleme
Wie lange dauert die Heilung?
Heilungsdauer:
- Leichte Otitis externa: 7-14 Tage bei richtiger Behandlung
- Mittelschwere Fälle: 2-4 Wochen
- Chronische Entzündungen: Wochen bis Monate
- Mit Mittel-/Innenohr-Beteiligung: 4-8 Wochen oder länger
Wichtig: Behandlung NICHT vorzeitig abbrechen, auch wenn Symptome weg sind! Sonst Rückfall.
Häufige Fragen zu Ohrenentzündung beim Hund
Geben Sie NIEMALS Schmerzmittel für Menschen (Ibuprofen, Paracetamol)! Diese sind für Hunde GIFTIG! Nur Tierarzt kann geeignete Schmerzmittel verschreiben (z.B. Metacam, Rimadyl). Bei starken Schmerzen: Sofort zum Tierarzt!
Kommt auf die Ursache an! Ohrmilben: Ja, sehr ansteckend für andere Hunde/Katzen. Bakterielle/Hefepilz-Infektionen: Normalerweise nicht ansteckend. Allergien: Nicht ansteckend. Bei Mehrtierhaushalten mit Ohrmilben: Alle Tiere gleichzeitig behandeln!
Wiederkehrende Ohrenentzündungen haben IMMER eine Grundursache! Häufigste Gründe: (1) Allergie nicht erkannt/behandelt - Futtermittel-/Umweltallergie (2) Behandlung zu kurz - Entzündung nicht vollständig ausgeheilt (3) Anatomie - Schlappohren, enge Gehörgänge (4) Resistente Keime - falsches Antibiotikum. → Gründliche Ursachensuche beim Tierarzt nötig! Evtl. Allergie-Test, Bakterienkultur.
NEIN! Während der Behandlung Schwimmen/Baden unbedingt vermeiden! Wasser im Ohr verschlimmert die Entzündung massiv und spült Medikamente raus. Auch nach Heilung: Bei anfälligen Hunden Wasser im Ohr vermeiden oder danach gründlich trocknen.
Anleitung: (1) Ohr erst reinigen (siehe oben) (2) Ohrmuschel hochziehen (3) Tropfen in Gehörgang geben (4) Ohr an der Basis sanft massieren - Sie hören ein schmatzendes Geräusch (5) Hund schütteln lassen (6) Überschuss vorsichtig mit Tuch auswischen. Tipp: Zu zweit leichter! Hund mit Leckerlis belohnen. Bei Gegenwehr: Tierarzt fragen ob es Alternativen gibt (z.B. Einmal-Depot).
Die Kosten richten sich nach der GOT (Gebührenordnung für Tierärzte) und hängen stark von der Schwere und Ursache ab - von einfacher Otitis externa bis zu chronischen Fällen mit umfangreicher Diagnostik. Für eine individuelle Beratung und Kosteneinschätzung kontaktieren Sie uns gerne!
Ihr Hund hat Ohrprobleme?
Je früher wir eine Ohrenentzündung behandeln, desto schneller ist Ihr Hund beschwerdefrei! Warten Sie nicht zu lange - chronische Entzündungen sind schwer zu behandeln.
Unsicher, wie ernst es ist? Rufen Sie an - wir beraten Sie gerne!
Kleintierpraxis Paderborn:
05251/8786101
klinik.dk@gmx.de
Mo-Fr: 10-11:30 & 17-19 Uhr | Sa: 11-12 Uhr
Denken Sie daran: Bei Ohrproblemen lieber einmal zu viel als zu wenig zum Tierarzt. Frühe Behandlung = schnelle Heilung!
Ihre Tierärztin Dorothea Kornat
Kleintierpraxis Paderborn