Notdienst

Borreliose beim Hund: Symptome erkennen, behandeln & effektiv vorbeugen

9. Mai 2026 Tierärztin Dorothea Kornat 12 Min. Lesezeit
Borreliose beim Hund Zeckenkrankheit Symptome Behandlung Tierarzt Paderborn

Foto: Freepik

Zeckensaison läuft – Borreliose-Risiko jetzt besonders hoch!

Borreliose ist die häufigste durch Zecken übertragene Erkrankung beim Hund in Deutschland. Das Tückische: Symptome treten oft erst Wochen nach dem Zeckenbiss auf – und werden dann häufig nicht mit der Zecke in Verbindung gebracht. Frühzeitige Erkennung ist entscheidend!

Hund hatte Zeckenbiss oder zeigt Lahmheit? Rufen Sie uns an: 05251/8786101

Ihr Hund lahmt plötzlich, ist schlapp oder hat Fieber – Wochen nachdem Sie eine Zecke entfernt haben? Das könnte Borreliose sein! Als Tierärztin in Paderborn sehe ich besonders in den Frühjahrs- und Herbstmonaten vermehrt Hunde mit Verdacht auf Borreliose – denn in unserer Region sind Zecken weit verbreitet.

In diesem Artikel erfahren Sie, wie Borreliose übertragen wird, welche Symptome sie verursacht, wie die Diagnose und Behandlung aussieht – und vor allem, wie Sie Ihren Hund zuverlässig schützen können.

Was ist Borreliose beim Hund?

Borreliose (Lyme-Borreliose) ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die durch den Erreger Borrelia burgdorferi verursacht wird. Übertragen wird sie durch den Biss infizierter Zecken – in Deutschland vor allem durch den Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus).

Wichtige Fakten zur Übertragung:

  • Übertragungszeit: Die Bakterien werden in der Regel erst nach 16–24 Stunden Saugzeit übertragen – deshalb ist schnelles Entfernen der Zecke so wichtig!
  • Nicht jede Zecke überträgt Borreliose: Je nach Region sind 5–35 % der Zecken mit Borrelien infiziert
  • Nicht jeder infizierte Biss führt zur Erkrankung: Nur ein Teil der gebissenen Hunde entwickelt tatsächlich eine Borreliose
  • Kein Wanderröte beim Hund: Anders als beim Menschen zeigt der Hund typischerweise keine Rötung um die Bissstelle
  • Zeckensaison: Zecken sind in Deutschland von März bis November aktiv – Hauptsaison ist April bis Juli und September bis Oktober

Symptome: So äußert sich Borreliose beim Hund

Borreliose ist eine Meisterin der Verkleidung – sie kann sehr unterschiedliche Symptome hervorrufen und wird deshalb oft spät erkannt. Besonders tückisch: Die Symptome treten meist erst 2–5 Monate nach dem Zeckenbiss auf.

Typische Symptome der Borreliose beim Hund:

  • Lahmheit: Häufigstes Symptom! Oft wandernd – heute dieses Bein, morgen jenes. Kann plötzlich auftreten und auch wieder verschwinden
  • Gelenkschmerzen und -schwellungen: Besonders Knie, Sprung- und Karpalgelenke betroffen – warm, geschwollen, schmerzhaft
  • Fieber: Oft wiederkehrend, nicht dauerhaft – 39,5 °C und mehr
  • Abgeschlagenheit und Mattigkeit: Hund ist weniger aktiv, will nicht spielen, schläft mehr
  • Appetitlosigkeit: Frisst weniger oder gar nicht
  • Geschwollene Lymphknoten: Besonders in der Nähe des Bisses
  • Nierenschäden (Lyme-Nephritis): In schweren Fällen – Trinken und Urinieren nimmt zu, Erbrechen, Gewichtsverlust. Dies ist die gefährlichste Verlaufsform!
  • Herzrhythmusstörungen: Selten, aber möglich – vor allem bei unbehandelter chronischer Borreliose
  • Neurologische Symptome: Krampfanfälle, Lähmungen – sehr selten, aber ernst

Achtung: Viele Hunde zeigen keine Symptome!

Studien zeigen, dass bis zu 95 % der mit Borrelien infizierten Hunde keine klinischen Symptome entwickeln – zumindest nicht sofort. Das bedeutet: Ein positiver Bluttest bedeutet nicht zwangsläufig, dass Ihr Hund krank ist. Andererseits kann sich eine stille Infektion Jahre später aktivieren. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen und Zeckenschutz sind daher für alle Hunde wichtig – nicht nur für symptomatische.

Diagnose: Wie wird Borreliose beim Hund festgestellt?

Die Diagnose der Borreliose ist nicht immer einfach – ein einzelner Test reicht meist nicht aus. Wir kombinieren verschiedene Methoden:

  • Blutuntersuchung (Antikörpertest): Nachweis von Antikörpern gegen Borrelien im Blut. Wichtig: Antikörper bilden sich erst 4–6 Wochen nach der Infektion – ein früher Test kann noch negativ sein! Außerdem unterscheiden wir zwischen frischer Infektion und Impfantikörpern.
  • Klinische Untersuchung: Beurteilung der Gelenke, Lymphknoten, Temperatur und des Allgemeinzustands
  • Urinuntersuchung: Nachweis von Proteinen im Urin – ein frühes Zeichen für Nierenbeteiligung (Lyme-Nephritis)
  • Blutbild und Organwerte: Entzündungswerte, Nieren- und Leberwerte zur Beurteilung des Gesamtzustands
  • Gelenkpunktion: In unklaren Fällen kann Gelenkflüssigkeit auf Borrelien untersucht werden

Tipp: Zeckenbiss dokumentieren!

Notieren Sie Datum und Körperstelle eines Zeckenbisses. Beobachten Sie Ihren Hund in den folgenden Wochen auf Veränderungen im Verhalten, Lahmheit oder Fieber. Diese Information ist für uns als Tierarzt bei der Diagnose sehr wertvoll. Ein Zeckenbiss allein ist noch kein Grund zur Panik – aber ein Grund zur Aufmerksamkeit.

Behandlung: Was hilft bei Borreliose beim Hund?

Die gute Nachricht: Borreliose ist gut behandelbar, wenn sie rechtzeitig erkannt wird!

Antibiotika-Therapie

Die Behandlung erfolgt mit Antibiotika über einen Zeitraum von 4–6 Wochen – länger als bei vielen anderen Infektionen, da Borrelien sich in Geweben verstecken können. Welches Antibiotikum und in welcher Dosierung eingesetzt wird, entscheiden wir individuell. Die Kosten richten sich nach der GOT (Gebührenordnung für Tierärzte).

Wichtig: Die Antibiotika-Kur muss vollständig durchgeführt werden – auch wenn sich Ihr Hund nach wenigen Tagen bereits besser fühlt! Abbruch kann zu Rückfällen mit resistenteren Bakterien führen.

Symptomatische Behandlung

Zusätzlich zur Antibiotika-Therapie behandeln wir die jeweiligen Symptome:

  • Schmerzmittel und Entzündungshemmer bei Gelenkschmerzen und Lahmheit
  • Nierenschützende Maßnahmen bei Lyme-Nephritis – intensive Überwachung und Therapie
  • Regelmäßige Kontrolluntersuchungen während und nach der Therapie

Lyme-Nephritis: Die gefährlichste Verlaufsform!

Bei einem kleinen Teil der erkrankten Hunde – besonders bei Retrievern und Berner Sennenhunden – entwickelt sich eine schwere Nierenentzündung (Lyme-Nephritis). Diese kann sehr schnell zu Nierenversagen führen. Zeichen: Starker Durst, häufiges Urinieren, Erbrechen, Gewichtsverlust, geschwollene Beine. Das ist ein Notfall – sofort zum Tierarzt!

Vorbeugung: So schützen Sie Ihren Hund vor Borreliose

Dreifacher Schutz gegen Borreliose:

  1. Zeckenschutzmittel – die wichtigste Maßnahme:
    • Spot-on-Präparate, Zeckenhalsbänder oder Tabletten töten oder vertreiben Zecken, bevor sie übertragen können
    • Monatliche oder quartalsmäßige Anwendung je nach Produkt
    • Sprechen Sie uns an – wir empfehlen das für Ihren Hund beste Produkt
  2. Impfung gegen Borreliose:
    • Es gibt eine wirksame Borreliose-Impfung für Hunde!
    • Besonders empfohlen für Hunde mit hoher Zeckenexposition (Waldspaziergänge, ländliche Gebiete)
    • Grundimmunisierung + jährliche Auffrischung nötig
    • Schützt nicht 100 %, reduziert aber das Erkrankungsrisiko erheblich
  3. Regelmäßige Zeckenkontrolle:
    • Nach jedem Spaziergang den Hund gründlich absuchen – besonders Ohren, Achseln, Leiste, zwischen den Zehen
    • Zecken sofort und korrekt entfernen (mit Zeckenzange oder -haken, nicht drehen!)
    • Je schneller entfernt wird, desto geringer das Übertragungsrisiko

Häufige Fragen zur Borreliose beim Hund

Kann ich mich von meinem Hund mit Borreliose anstecken?

Nein – Borreliose ist nicht direkt von Hund zu Mensch übertragbar! Die Bakterien werden ausschließlich durch Zeckenbisse übertragen, nicht durch Kontakt mit dem erkrankten Tier. Allerdings: Wenn Ihr Hund Zecken in die Wohnung trägt, besteht das Risiko, dass diese auch Sie beißen. Deshalb ist Zeckenschutz für den Hund auch ein indirekter Schutz für Sie und Ihre Familie.

Mein Hund hatte eine Zecke – muss ich sofort zum Tierarzt?

Nicht sofort – aber beobachten Sie Ihren Hund aufmerksam. Entfernen Sie die Zecke schnell und korrekt (mit Zeckenzange, gerade herausziehen, nicht drehen). Notieren Sie das Datum. In den folgenden 4–8 Wochen auf Veränderungen achten: Lahmheit, Fieber, Appetitlosigkeit, Mattigkeit. Zeigt Ihr Hund solche Symptome, kommen Sie zur Untersuchung. Ein Bluttest direkt nach dem Biss ist meist noch nicht aussagekräftig – Antikörper bilden sich erst nach einigen Wochen.

Ist Borreliose beim Hund heilbar?

In den meisten Fällen ja – mit einer konsequenten Antibiotika-Therapie über 4–6 Wochen erholen sich die meisten Hunde vollständig. Aber: Je früher behandelt wird, desto besser. Chronische Borreliose oder eine Lyme-Nephritis sind deutlich schwerer zu behandeln und können dauerhafte Schäden hinterlassen. Manche Hunde haben auch nach erfolgreicher Behandlung noch positive Antikörperwerte im Blut – das bedeutet nicht, dass sie noch krank sind, sondern dass das Immunsystem reagiert hat.

Sollte ich meinen Hund gegen Borreliose impfen lassen?

Für Hunde mit regelmäßiger Zeckenexposition – Waldspaziergänge, ländliche Gebiete, Jagdhunde – empfehlen wir die Borreliose-Impfung als sinnvolle Ergänzung zum Zeckenschutz. Die Impfung schützt nicht zu 100 %, reduziert aber das Erkrankungsrisiko erheblich. Sprechen Sie uns an – wir beraten Sie gerne, ob die Impfung für Ihren Hund sinnvoll ist, und erstellen einen passenden Impfplan.

Welches Zeckenschutzmittel ist das beste für meinen Hund?

Es gibt kein universell "bestes" Mittel – die Wahl hängt von Ihrem Hund ab: Alter, Gewicht, Gesundheitszustand, Lebensstil und ob er regelmäßig mit Kindern oder Katzen in Kontakt kommt. Spot-on-Präparate, Halsbänder und Tabletten haben alle Vor- und Nachteile. Wichtig: Niemals Hundeprodukte bei Katzen verwenden – viele sind für Katzen giftig! Kommen Sie zu uns für eine individuelle Empfehlung – wir kennen die aktuellen Produkte und helfen Ihnen die richtige Wahl zu treffen.

Mein Hund hat einen positiven Borreliose-Test – ist er krank?

Nicht unbedingt! Ein positiver Antikörpertest bedeutet lediglich, dass Ihr Hund Kontakt mit Borrelien hatte – nicht zwingend, dass er erkrankt ist. Viele Hunde haben Antikörper, ohne jemals Symptome zu zeigen. Entscheidend ist die Kombination aus Bluttest und klinischen Symptomen. Wir beurteilen gemeinsam den Befund und entscheiden, ob eine Behandlung nötig ist. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind bei positiv getesteten Hunden besonders wichtig.

Gibt es in Paderborn viele Zecken?

Ja – die Region Paderborn und das Umland gehören zu den zeckenreichen Gebieten in NRW. Besonders Waldränder, hohes Gras, Gebüsch und feuchte Wiesen sind beliebte Zecken-Habitate. Die Aktivitätszeit reicht von März bis November, mit Höhepunkten im Frühjahr und Herbst. Zecken sind aber auch an milden Wintertagen aktiv – ein ganzjähriger Zeckenschutz ist daher sinnvoll. Wir empfehlen besonders für Hunde, die regelmäßig im Teutoburger Wald, an der Pader oder auf Wiesen unterwegs sind, einen konsequenten Schutz.

Was kostet die Borreliose-Diagnose und Behandlung beim Tierarzt?

Die Kosten richten sich nach der GOT (Gebührenordnung für Tierärzte) und dem Untersuchungsumfang. Ein Borreliose-Schnelltest im Rahmen einer Untersuchung ist erschwinglich. Kommt eine ausführliche Labordiagnostik mit Blutbild, Urintest und Organwerten dazu, steigen die Kosten entsprechend. Die Antibiotika-Therapie über 4–6 Wochen ist ebenfalls überschaubar. Für eine individuelle Kosteneinschätzung rufen Sie uns gerne an!

Zeckenbiss oder Verdacht auf Borreliose?

Zeckensaison ist jetzt! Schützen Sie Ihren Hund – und wenn Sie unsicher sind, ob ein Zeckenbiss Folgen hat, rufen Sie uns einfach an. Wir beraten Sie gerne und klären gemeinsam, ob eine Untersuchung sinnvoll ist.

Jetzt Zeckenschutz besprechen oder Termin vereinbaren!

Kleintierpraxis Paderborn:
05251/8786101
klinik.dk@gmx.de
Mo-Fr: 10-11:30 & 17-19 Uhr | Sa: 11-12 Uhr

Denken Sie daran: Zeckenschutz ist kein Luxus – er ist die wichtigste Investition in die Gesundheit Ihres Hundes im Frühling und Sommer!

Ihre Tierärztin Dorothea Kornat
Kleintierpraxis Paderborn